Fit für Word on Tour

Hände einer Person, die auf einem Laptop tippt.

©Karl Joshua Bernal, Unsplash

Zwei Tage, viele Lernniveaus und noch mehr Perspektiven

Unsere Aktivphase der aufsuchenden Lernwerkstätten hat begonnen: Wir sind jetzt verstärkt in der Stadt bei verschiedenen Beratungsstellen unterwegs. In zwei Tagen mit jeweils wir Stunden machen wir den Menschen dort Lust, intensiv zu lernen. Ende Februar waren wir im Quartier für alle – Qualle zu Gast. Alex Matou und Michael Follath machen dort sozialräumliche Integrationsarbeit, wozu auch niedrigschwellig Beratung in offenen Sprechstunden gehört. Zu unserem Kurs „Fit für Word“ entschieden sich sechs Frauen, die regelmäßig zur offenen Sprechstunde kommen. Ihre Motivation war dabei so unterschiedlich wie ihre individuellen Lernausgangslagen. Die Workshops sind so konzipiert, dass Teilnehmende verschiedener Niveaus gut miteinander lernen können. Wer schon weiter ist, bekommt eine Zusatzaufgabe. Wer länger braucht, erhält diese Zeit und die Lehrkräfte gehen den Stoff Schritt für Schritt durch. Bei „Fit für Word“ bei Qualle im Eidelstedter Hörgensweg bedeutete dies, dass manche den Umgang mit dem Laptop und Programm von Grund auf lernten, während andere sich auf die neuen deutschen Vokabeln fokussierten.

Lernbedarfe von A bis Z

Drei Frauen schauen gemeinsam auf einen Laptop.

Nafizeh Rezai nutzte zum ersten Mal einen Laptop. Obwohl ihr das überhaupt nicht anzumerken war. „Ich war ganz vorsichtig im Umgang mit dem Laptop, etwa beim Zuklappen“, lacht sie. Lehrkraft Magda Sabauri mag das kaum glauben: „Sie hat so aktiv mitgemacht und hatte eine so schnelle Auffassungsgabe.“ Nafizeh Rezai gefiel es vor allem, mehrere Stunden konzentriert am Laptop zu arbeiten. Sie will das Gelernte nutzen und in einem PC-Kurs weiterlernen. Für Wala Lubani aus Syrien war die Arbeit mit dem PC kein Problem. „Ich bin mit der Laptoparbeit vertraut und kenne auch alle englischen Bezeichnungen, etwa ‚delete‘ oder ‚copy‘ und ‚paste‘. Aber die deutschen Begriffe, die ja auch im Menüband von Word stehen, sind mir völlig neu. Auch an die deutsche Tastatur muss ich mich erst gewöhnen. Das war ganz schön viel Input für zwei Kurstage.“ Für Wala Lubani ist vor allem das Zertifikat, welches sie nach der Teilnahme ausgehändigt bekam, interessant, vielleicht für eine spätere Bewerbung.

Unterschiedliche Perspektiven

Bina Moein hatte noch einen anderen Beweggrund: Sie gehört zu den Stadtteileltern in Niendorf und nahm als Übersetzerin teil. Sie übersetzte, wenn nötig, auf Farsi und Dari. Stadtteileltern füllen eine Mittlerrolle in der sozialen Arbeit aus. Sie kommen selbst aus migrantischen Communities und teilen die Erfahrungen der Ratsuchenden. Sie sind spezifisch ausgebildet und zertifiziert in den Bereichen Recht, Gesundheit, Erziehung und Bildung sowie Finanzen zu beraten. Bina Moein ist aus dem Iran, wo sie als Lehrerin tätig war: „Ich lerne hier auch didaktische etwas dazu. ‚Sprechende Stifte‘ kannte ich vorher gar nicht. Eigenständiges Lernen wird so gefördert und es macht den Teilnehmerinnen sichtlich Spaß, damit zu arbeiten.“

Sprechende Stifte

Unterrichtsmaterial mit Tellimero-Stift.

Unsere „Tellimero-Stifte“ verwenden wir im Unterricht, wenn theoretisches Wissen praktisch erarbeitet werden soll. Zu Beginn des Workshops wurden einzelne Bestandteile eines Laptops und der Wordbenutzungsoberfläche kennengelernt. Was ist eine Maus, wofür dient die rechte Maustatste, was bedeutet speichern? Um sich die neuen Vokabeln besser einzuprägen, bringen die Lehrkräfte sie immer wieder spielerisch ein. Beim Zuordnungsspiel „liest“ der Stift die Wörter vor: Er erkennt einen Code und spielt eine Audiodatei ab, auf die wir ein Wort gesprochen haben. Wir teilen Kärtchen der einzelnen Silben des Wortes aus, welche Teilnehmende mithilfe der sprechenden Stifte zum Wort zusammensetzen. Neben der Vermittlung von Vokabeln mit vielen Wiederholungseinheiten erstellen die Teilnehmenden eine Tabelle mit Word und üben dabei das Einfügen von Bildern. „Finde (und korrigiere) den Fehler“ ist eine Aufgabenstellung, um Formatierungen bei Word anzuwenden. Samiha Tryaki von den Stadtteileltern Niendorf übersetzte bei Bedarf ins Arabische. Ihr Fazit: „Ich habe eine Teilnehmerin unterstützt, die kaum Deutsch versteht und bisher nicht am Laptop gearbeitet hat. Der Kurs ist ein wichtiger und wertvoller erster Schritt im Umgang mit dem Computer und war für sie sehr hilfreich.“ Ob ganz am Anfang im Umgang mit dem Laptop oder ungeübt mit der deutschen Tastatur: Wir freuen uns, viele weitere Teilnehmende „Fit für Word“ zu machen.

Bei Interesse an einer Aufsuchenden Lernwerkstatt bitte Friederike Müller kontaktieren. Für weitere Informationen zu „Fit für Formulare“ bitte Michele Leithold kontaktieren. Für weitere Informationen zu „Fit für Word“ bitte Magda Sabauri kontaktieren.

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